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aktfotografie

der akt ist ein klassisches motiv in der bildenden kunst; bereits die frühen hochkulturen (sumer, ägypten, kreta, indien unter anderem) kennen aktdarstellungen. die entwicklung lässt sich weiter verfolgen über die griechische plastik, mit einschränkungen auch durch die kunst des mittelalters bis in die europäische kunst der neuzeit.

seit der renaissance gehört das studium des menschlichen körpers zur ausbildung an kunstakademien. den „guten sitten“ entsprach zu dieser zeit der handel nur bei aktaufnahmen für die ein künstlerischer oder wissenschaftlicher bedarf vorhanden war. so war auf künstlerischer seite der handel mit aktfotografien, die als mal- oder zeichenvorlagen dienten.

auf wissenschaftlicher seite als medizinisches oder ethnologisches studienmaterial. unter diesem vorwand entwickelte sich dann auch die erotische fotografie in den 1870er immer mehr.félix-jacques moulin lieferte als erster pariser fotograf 1853 an die bibliothèque nationale als pflichtstücke eine serie von aktfotos.

unter diesem aspekt fanden fotografen rasch einen weg diese akademien pikanter zu gestalten und so im rahmen der zulässigen verwendung auch den an erotischen aufnahmen interessierten bedienen zu können. unter diesen fotografen war schnell klar, was das „prickeln“ bei den männlichen kunden auslöste und so fand sich schnell eine einheitliche gestaltung, die von den reinen akademien abwich.

diese gilt immer noch in der abgrenzung der aktfotografie zur erotischen fotografie.

die karge studioeinrichtung wurde durch kulissen ersetzt und das ambiente suggerierte orte, wie park, salon, boudoir oder schlafzimmer. die modelle waren nicht völlig nackt, was suggerieren sollte, dass sie sich im letzten stadium der entkleidung befinden. der direkte blick der modelle in die kamera und eine mimik, die suggerieren sollte, dass die modelle mit der beobachtung ihrerseits einverstanden sind, sollten das „prickeln“ bei den käufern verstärken.

neben diesen pikanterien entwickelte sich die produktion von cochonnerien, „schamlosen unzüchtigkeiten“ deren vertrieb durch die jeweiligen regierungen versucht wurde einzudämmen. diese aufnahmen entstanden häufig in bordellen und waren auch eine art angebotsübersicht für diese häuser. hier arbeiteten die fotografen anonym.

paris entwickelte sich zur hauptproduktionsstätte für solche aufnahmen. der vertrieb war nach den bereits genannten aspekten illegal, doch wurde er von der obrigkeit auch mit hinblick auf den aufkommenden tourismus geduldet. konnten doch die besucher in den einschlägigen etablissements die abbildungen in natura bestaunen. so sollte es auch dem paris-besucher möglich sein, eine erinnerung in form einer postkarte mit den entsprechenden motiven mit nach hause zu nehmen.


für frühe glamourporträts standen auch tänzerinnen der varietés modell. je nach grad der freizügigkeit signierten die fotografen diese aufnahmen mit ihrem bürgerlichen namen. teilweise wurde auch mehr „fleisch“ gezeigt, jedoch war dies bei diesen aufnahmen eine weitgehende illusion, denn nackte haut unter dem ballettdress waren häufig enganliegende, gepuderte strumpfhosen. ebenso verhielt es sich bei haut die durch spinnwebdünne negligés schimmerte, hier kamen weiß gepuderte trikots zum einsatz.


diese bereiche haben mit der aktfotografie wenig zu tun, da aber bedingt durch die hohen produktionszahlen der so genannten postkartenindustrie (1875–1925) eine unmenge anonymer fotografien entstanden, wird dieser bereich landläufig mit den strömungen in der aktfotografie gleichgesetzt.


die künstlerische aktfotografie in den jahren 1860 bis 1880 setzten die trends aus den fünfziger jahren des 19. jahrhunderts fort. in dieser zeit bestimmen in paris fotografen wie marie-alexandre alophe, paul marcellin berthier, nadar und voland das geschehen. sie sind alle vom künstlerischen metier zur fotografie gekommen.


gaudenzio marconi gehörte zu den künstler-fotografen, die gezielt akte aufnahmen, die malern und bildhauern geläufige posen darstellten. bei marconi waren diese formatfüllend. daneben führte er auch akte in form von personen, welche allegorien darstellten aus.


in den 1920er jahren erschlossen reformistische, freiheitliche bewegungen in deutschland, die sich schon vor dem ersten weltkrieg bemerkbar gemacht hatten, auch der aktfotografie neue themenfelder. neue motive fanden fotografen wie gerhard riebicke in der freikörperkultur, die ebenso wie der schönheits- und ausdruckstanz mit einem neuen körpergefühl und einem anderen umgang mit nacktheit experimentierte.


der gesellschaftliche dissens zu fragen von sitte und moral war damit aber nicht aufgelöst. entsprechend zwiespältig war die rolle der aktfotografie im nationalsozialismus. die nazis duldeten nur solche arbeiten, die ihrem ideologischen rassenwahn dienstbar gemacht werden konnten. und ihren vorstellungen von „volkshygiene“ nicht zuwider liefen.


subgenres und sujets

aktfotografie bietet drei grundlegende darstellungsformen des aktes:
den „klassischen“ vollakt (einfacher hintergrund, vollakt, modell ist vollständig nackt),

die darstellung von detailansichten (auch bei uns häufig als "bodyparts" bezeichnet, sind details des körpers, abstrahierend und anonymisierend, betonung auf formen und strukturen, nahaufnahme),
sowie den halbakt (modell ist teilweise bekleidet oder drapiert, verdecken objekte das modell so spricht man auch von einem verdeckten akt).

neben diesen drei grundformen hat sich die aktfotografie in zahlreiche sub-genres oder sujets mit verschiedenen, teilweise spezifischen, techniken aufgefächert.

aktfotografie und recht

aktmodell im öffentlichen raum

die grenzen zwischen aktfotografie und erotischer fotografie sind fließend, den subjektiven moralvorstellungen des einzelnen und den jeweiligen kulturellen vorstellungen von „guten sitten“ unterworfen.

zur pornografie lässt sich die aktfotografie anhand der definition jener abgrenzen: eine darstellung wird heute nach deutschem recht als pornografisch bezeichnet, wenn sie unter hintenansetzen sonstiger menschlicher bezüge sexuelle vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer weise in den vordergrund rückt, und wenn ihre objektive gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend zur aufreizung des sexualtriebs abzielt (stefen, 1989). das deutsche strafgesetzbuch (stgb) beinhaltet ein totalverbot bestimmter pornografischer schriften, die als sozialschädlich eingestuft werden (§ 184 abs. 3).

aktfotografien beabsichtigen hingegen nicht primär eine sexuelle erregung und sind neben einem ästhetischen und handwerklichen anspruch auch durch menschliche achtung gekennzeichnet.

andererseits schützt das deutsche grundgesetz explizit die kunst: die kunst ist frei; die freiheit der kunst ist in art. 5 abs. 3 gg ohne vorbehalt gewährleistet. der kunstbegriff ist nach der rechtsprechung des bundesverfassungsgerichts nicht auf ein bestimmtes niveau und daher auch nicht auf „wertvolle“ oder gar klassische kunst beschränkt.[4] die abwägung zwischen kunstschutz und anderen durch die verfassung geschützten rechtsgütern, beispielsweise jugendschutz, beschäftigt regelmäßig die gerichte, so beispielsweise im juni 1990 im fall opus pistorum.

der jugendschutz ist daher ein problemfeld sexualität darstellender fotografie. das verbot (indizierung) für jugendliche unter 18 jahren ist in deutschland und anderen demokratischen staaten nur im rahmen einer nachzensur möglich und kommt bei aktfotografien kaum vor – häufiger müssen jedoch zum beispiel in der werbung oder in zeitschriften verwendete aktfotografien oder akt-darstellungen in anderen, weniger liberalen ländern im rahmen einer vorzensur entfernt oder modifiziert werden.

das rechtsverhältnis zwischen fotograf und abgebildeter person ist durch das recht am eigenen bild geregelt. für eine weitere nutzung das bildes von seiten des fotografen ist die vertragliche abtretung der bildrechte notwendig. im kommerziellen bereich erfüllt ein model release diese funktion. finden aufnahmen im öffentlichen raum statt, können gesonderte rechte wirksam werden.


aktfotografie und moralvorstellungen

„weibliche nacktheit muss man den männern mit dem teelöffel geben, nicht mit der schöpfkelle.“ coco chanel
 


ob es sich bei einem bild um kunst, kitsch oder gar provokation handelt, liegt immer im auge des betrachters. eine (ebenfalls subjektive) definition von günter rinnhofer: „ein aktfoto ist dann gut, wenn das modell es beim geburtstag der großmutter am kaffeetisch rumzeigt und die anwesenden es gut finden.“[5]

die bestimmung des ästhetischen wertes einer aktfotografie und die abgrenzung der aktfotografie von der erotischen fotografie ist intersubjektiv nur schwer zu leisten, darüber hinaus gibt es überschneidungen mit der pornografie – im gegensatz zur pornografie verfolgt die aktfotografie jedoch nicht das ziel, den betrachter sexuell zu erregen. das schließt natürlich nicht aus, dass aktfotos auch aus diesem grund betrachtet werden.


aktfotografie und erotische fotografie stehen immer im spannungsfeld zwischen künstlerischer freiheit, ästhetik, kitsch, provokation und dem verstoß gegen die „guten sitten“ oder die sexualmoral.


literatur

david daye: aktfotografie. münchen 2001, isbn 3-87467-774-5.


roger hicks, frances schultz: aktfotografie. münchen 1997, isbn 3-87467-698-6.


michael köhler, gisela barche: das aktfoto – ästhetik, geschichte, ideologie. bucher, münchen 1985, isbn 3-7658-0675-7.


martin sigrist, matthias stolt: die neue akt fotoschule. gilching 2000, isbn 3-933131-00-6.


achim sommer, nils ohlsen (hrsg.): der akt in der kunst des 20. jahrhunderts. wienand, köln 2002, isbn 3-87909-795-x.


michael köhler, gisela barche: ansichten vom körper – das aktfoto 1840-1986. ed. stemmle, schaffhausen, isbn 3-7231-6900-7.


william f. ewing (hrsg.): das jahrhundert des körpers – figürliches fotografieren. seemann, berlin 2000, isbn 3-363-00747-7.


schön nackt. aktfotografie in der ddr. verlag das neue berlin, 2009, isbn 978-3-360-01957-8.


d.m. klinger: zeitgenössische meister der erotischen fotografie. band 16, dominik alterio brd- w. pavelec - polen, barry pringle - gb, dmk verlag - nürnberg / jetzt h.b. wilson-dmk co 1987 isbn 3-923642-57-1.


weblinks

 commons: aktfotos – sammlung von bildern
 wiktionary: aktfotografie – bedeutungserklärungen, wortherkunft, synonyme, übersetzungen


arbeitskreis künstlerische aktfotografie e. v.


aktgalerie.de – erotische aktfotografie, zahlreiche aussteller verschiedenster stilrichtungen
enzyklopädie der aktfotografie


einzelnachweise

werner wurst: exakta kleinbild-fotografie. 5. auflage, veb wilhelm knapp verlag, halle (saale) 1956, s. 194


helmut gernsheim: geschichte der photographie - die ersten hundert jahre (propyläen kunstgeschichte) 1983, s. 198


das aktfoto. ansichten vom körper im fotografischen zeitalter. ästhetik geschichte ideologie. bucher verlag, münchen 1985; s.421

stefan weis: digitale fotoschule aktfotografie. franzis 2007 seite 8, isbn 978-3-7723-7129-5

quelle: wikipedi
 

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